Der zweite Körper

Zugegeben, diese Art der Überlegung geistert nicht erst seit gestern durch meinen Denkapparat, ich habe den Gedanken und den damit verbundenen ‚must have-Virus’ bisher allerdings immer wieder erfolgreich in Schach halten können aber so langsam erreiche ich einen Punkt, an dem ich mich doch einmal intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen möchte. Lange Rede, kurzer Sinn, es geht um die Anschaffung eines zweiten Kameragehäuses. Zurzeit nutze ich die Nikon D300s, mit der ich mehr als zufrieden bin. Warum kann es denn sinnvoll sein, einen zweiten Kamera-Body anzuschaffen? Nun, dafür gibt es meiner Meinung nach genau zwei triftige Gründe: Ausfallsicherheit und Flexibilität!

Zum einen lässt es einen viel ruhiger schlafen, wenn man jeweils mit einer Haupt- und einer Ersatzkamera bei einem Shooting anrücken kann. Die aktuellen Kameramodelle von Nikon und auch der anderen Hersteller sind zwar alle samt sehr robust und zuverlässig aber in der bunten weiten Welt der Technik gibt es nichts was es nicht gibt! Falls also tatsächlich mal ein Gerät kurzfristig und spontan beschließen sollte, seinen Geist aufzugeben, so stünde einem unmittelbar und ohne große Ausfallzeit ein adäquates Backup zur Verfügung.

Zum anderen muss ich gestehen, dass ich den Gedanken äußerst attraktiv finde, mit zwei Maschinen quasi parallel arbeiten zu können, die unterschiedlich bestückt sind. So könnte man die eine Kamera mit einem Standard-Zoom ausrüsten während die zweite Kamera mit einer Festbrennweite, beispielsweise einem 50er oder 85er bestückt wäre. So könnte man wesentlich schneller auf verschiedene (Licht-) Situationen reagieren und müsste nicht ständig die Objektive wechseln. Luxus? Ja ein bisschen schon aber wenn man beide Gründe gemeinsam anführt so könnte das doch die Anschaffung eines Zweitbodies rechtfertigen, oder?

So weit so gut! Jetzt stellt sich (für mich) allerdings noch die Frage, welche Kamera neben der Nikon D300s am sinnvollsten erscheint und spätestens hier dürften sich die Geister scheiden. Zur Auswahl schicke ich die folgenden Modelle ins Rennen: Nikon D300s – Nikon D7000 – Nikon D700 und wenn Geld keine Rolle spielt die Nikon D3s. Da es sich bei den genannten Vertretern um zwei Vollformatkameras (FX) (nämlich die Nikon D700 und die D3s) und zwei Varianten mit so genanntem Crop-Faktor (DX) (nämlich die Nikon D300s und die D7000) handelt ist sicherlich ein 1:1-Vergleich nicht ganz einfach geschweige den sinnvoll. Da die Nikon D3s darüber hinaus aus finanzieller Hinsicht so völlig aus dem Rahmen fällt handeln wir sie auch eher als Nice-to-have aber beziehen sie im direkten Vergleich nicht mit ein. Somit blieben am Ende die bereits vorhandene D300s auf der einen Seite und die D7000 sowie die D700 auf der anderen Seite. Mit Hilfe des Portals DxO habe ich zur Veranschaulichung eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten erstellt.

Eines vorneweg, alle drei Kameras sind gute Geräte, alle haben ihre Stärken und auch ihre Schwächen. Da ich mir sicherlich keine zweite D300s zulegen würde, soll sie in diesem kleinen Vergleichstest einfach nur als Referenzmodell herhalten. Um zu einem Ergebnis zu kommen sollte man sich zu Beginn die Frage beantworten, welche Anforderungen man an einen Zweitbody stellt. Da ich sehr oft bei schwachem Umgebungslicht fotografiere (Konzertfotografie) kann ich diese Frage für mich ganz simpel beantworten: Ich möchte gerne eine Kamera haben, die es erlaubt bei hohen ISO-Werten möglichst rauschfreie Ergebnisse zu erzielen. Diese Aufgabe war einfach doch scheint sie mich nicht wirklich weiter zu bringen, denn diese Voraussetzungen erfüllen beide Vertreter sehr gut. Sowohl die Nikon D7000 als auch der Vollformatkollege D700 liefern bei hohen ISO-Einstellungen noch sehr brauchbare Bilder. Mehr noch, im Vergleich zur D300s beherrschen die beiden Vergleichskandidaten diese Disziplin weitaus besser.

Sieht zunächst nach einem Unentschieden im ISO-Wettstreit zwischen der D7000 und der D700 aus. Kann das denn wirklich sein? Sicherlich nicht, immerhin vergleichen wir mit der D700 eine Vollformatkamera mit der D7000, die einen Crop-Faktor von 1.5 hat. Es müssen also weitere Parameter her, in der Hoffnung, einen klaren, persönlichen Sieger zu finden. Welche Eigenschaften sind mir neben einer guten ISO-Performance noch wichtig? Da ich auf der Suche nach einer Zweitkamera bin, sollte der Preis möglichst attraktiv sein. Und dieser Punkt geht dieses Mal ganz klar an die D7000. Mit einem Straßenpreis von ca. 1000 EUR ist sie nicht nur wesentlich günstiger als die gut doppelt so teure D700 sondern auch noch günstiger als die bereits vorliegende D300s, die mit gut 1300 EUR zu Buche schlägt. Gibt es weitere Kriterien?

Auch wenn die Zeit der Megapixelschlachten der Vergangenheit angehören, so sei doch zumindest kurz erwähnt, dass die günstigste aller drei Kandidaten die größte Auflösung bietet: D300s und D700 warten mit rund 12 Megapixeln auf während die neueste aller drei Kameras, die D7000 bereits einen 16 Megapixel Sensor spendiert bekam. Da ich bei meiner D300s allerdings absolut zufrieden mit 12 Millionen Bildpunkten bin, ist das Mehr von 4 Millionen Punkten kein wirkliches Kaufargument.

Weitere Highlights der D7000 gegenüber der D700 sind die Full HD Videotauglichkeit, ein eingebauter Blitz (für mich wichtig zum Auslösen von Slave-Blitzen) und geringere Abmessungen so wie ein geringeres Gewicht. Zudem hielte man mit der D7000 ein aktuelles Modell von Nikon in der Hand während die Nikon D700 bereits seit einigen Jahren auf dem Markt erhältlich ist. So wie es bis jetzt aussieht, spricht doch in meinem speziellen Fall alles für die D7000. Wirklich alles?

Kommen wir doch mal zu den Dingen, die mich eher stören als begeistern. Das Gehäuse der D7000 ist materialseitig nicht so robust wie das meiner D300s oder der D700. Was mich auch ein wenig stört ist die Produkt- bzw. Markteinreihung der Kamera zwischen D90 und D300s seitens Nikon. Demnach wäre die D7000 von niedrigerer Wertigkeit als die D300s also quasi ein Rückschritt? Auch hatte ich mir damals beim Kauf der D300s fest vorgenommen, bei Anschaffung der nächsten Kamera in die große, weite Welt der Vollformatkameras einzutauchen, was ja nun mal mit einer D7000 auch nicht möglich wäre. Und jetzt? Wenn es die D700 nicht werden soll, die D7000 aber auch nicht, welches Modell dann? Vielleicht doch den Lottogewinn anstreben und in eine D3s für über 4000 EUR investieren? Sicherlich nicht! Doch stellen wir zunächst noch einmal die wichtigsten Punkte in einer tabellarischen Übersicht gegenüber:

Nikon D7000 Nikon D700
+ Preis (ca. 1000 EUR) + Gehäuse
+ ISO + ISO
+ Auflösung 16 MP + FX Format
+ Gewicht + Profigerät
+ Alter
+ Blitz
+ Full HD Video
– Akzeptanz / Marktsegment – Preis (ca. 2000 EUR)
– DX Format / Crop 1.53 – Auflösung 12 MP
– Semiprofi- bis Einsteigergerät – Alter
– Keine Video Funktion

Angesichts dieser Übersicht und im Anbetracht der Tatsache, dass Nikon innerhalb der nächsten Monate, spätestens aber bis zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft einen Nachfolger der Modelle D300s/D700/D3s auf den Markt bringen dürfte sollte folgendes Vorgehen am sinnvollsten erscheinen: Wer jetzt, quasi zu sofort einen zweiten Körper benötigt, dafür aber kein Vermögen mehr ausgeben möchte, der ist mit der D7000 neben der D300s bestens bedient! Ein Wechsel auf ein neueres Modell und/oder zum Vollformat kann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Wenn Geld keine so große Rolle spielt und ein Wechsel auf Vollformat unumgänglich ist, der wird mit der D700 glücklicher sein. Und wenn Geld überhaupt keine Rolle spielen sollte, der greife doch gleich zur D3s 🙂 Wer nicht zwingend auf einen zweiten Body angewiesen ist und/oder sich einfach nicht so richtig entscheiden kann, der möge einfach noch warten, Nikon wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten neue Spielzeuge auf den Markt werfen und die Karten neu mischen …

Nachtrag:

Ach, eine interessante Alternative, wie man für ein wichtiges Shooting günstig an eine gute Zweitkamera gelangen kann ohne sie gleich zu kaufen hatte ich ganz vergessen. Erst vor kurzem hatte Ivan von BlogNotiz in einem Artikel über seine Erfahrungen mit einem Anbieter für Leihkameras berichtet. Er hatte sich für ein paar Tage bei Lensavenue eine Nikon D700 gemietet und dabei gleich noch ein Interview mit dem Geschäftsführer geführt. Doch lest am besten selbst…



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

9 Kommentare

    • Seltsam, hatte zwar noch keine D700 in der Hand aber ich meine an einigen Stellen im Netz gelesen zu haben, dass sie keinen integrierten Blitz haben soll, was auch immer wieder als Kritikpunkt angegeben wurde. Nun gut, schön, dass die D700 scheinbar doch einen Blitz auf dem Dach trägt!

      Danke auch für den link, ich finde den Wettbewerb zwischen David und Goliath mal ganz interessant.

  1. Also meine D700 hat einen eingebauten Blitz.

    Und ich würde nicht wieder zum Crop wechseln, daher wäre für mich die Wahl sehr eindeutig auf die D700 fallen. Oder auf eine gebrauchte D3, die gibts dank der Nachfolger zu ähnlichen Preisen wie die D700.

  2. Ich habe zwar bis jetzt nur die 300 ohne S benutzt, aber sie ist mit der „S“ bis auf die Videofunktion identisch.
    Seit März ist die D 700 meine Hauptkamera und ich muß sagen, alleine die Möglichkeiten bezüglich Bokeh und High ISO Nutzung machen den höheren Preis der D 700 wieder wett.
    Und wie Stefan schon schreibt …… VF ist eben doch was anderes. 😉
    Du solltest allerdings bedenken das deine DX Linsen dann nur noch an der 300 er “ richtig “ fluppen. 😀
    Das mehr an Mpix welches die 7000er zu bieten hat, bringt dir gar nix wenn du keine guten Objektive hast, denn letztendlich hängt daran die Qualität, der Kasten hinten ist „nur“ der Lichtfänger ( sollte aber schon ein guter Lichtfänger sein 😉 )

  3. Ich kann es auch noch einmal bestätigen: Auch meine D700 hat einen eingebauten Blitz. Den haben ich wohl bisher bei 10 Aufnahmen genutzt – also ich könnte ehrlich darauf verzichten. Aber das hängt halt immer davon ab, was und wie man fotografiert.
    Die D700 kann ich (fast uneingeschränkt) empfehlen:
    http://www.moodway.de/test-nikon-d700/
    Aber jetzt würde ich wohl auch auf ein Nachfolgemodell warten, wenn es nicht so sehr eilt.

  4. Interssant. Dieselben Gedanken hatte ich auch und nach dem Wochenende mit der D700 will ich nichts, aber auch absolut nichts anderes mehr haben….außer vielleicht eine D3s 🙂 Mal sehen, wann ich mit dem Sparen aufhöre und welche der beiden ich dann am Ende des Jahress habe.

    Zum Thema „Highlights der D7000 gegenüber der D700“ finde ich persönlich die Videotauglichkeit nur ein Argument, wenn man wirklich auf Videos steht. Für mich ist das kein Thema. Falls das aber ein Argument sein sollte, wäre doch auch ein Wechsel ins Canon Lager denkbar – das hab ich übrigens NIE, NIE, NIE gesagt 😉 – mit der 5D Mark II hast du eine 20MP Vollformat Kamera, die sowas von Videotauglich ist und das zu einem Preis von Neu unter 2000,- EUR. Dass man dann den Linsenpark auch tauschen müsste ist ja klar. War nur ein kleiner nüchterner Gedanke zum Thema Video.

    Einen Punkt finde ich in dem Vergleich D7000 und D700 auch ein Plus für die D7000: den crop Faktir, falls man auf Brennweite angewiesen ist. x1,5 ist nun mal x1,5.

    Ich hatte an dem Wochenende übrigens auch das nikkor 35mm f/1,8 DX an der D700 dran und mal abgesehen von einer leichten Vignetierung, die ich mit Licghtroom super rausrechnen konnte, fand cih diese Kombination extrem genial.

    Welches Gehäuse wird es denn nun bei dir?

    Grüße
    ivan

    • Hi Ivan,

      um ehrlich zu sein, nein, ich bin mit meinen Überlegungen noch keinen Schritt weiter. Zudem hat man ja die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Nikon doch noch recht bald Nachfolger der D300s/D700/D3s präsentieren wird und man will ja kein altes Eisen kaufen. Da ich zeitnah ein wichtiges Shooting habe, werde ich wohl erst einmal Deinem Tipp folgen und mir eine D700 nebst Nikon 24-70/2.8 und SB900 bei lensavenue mieten.

      Gruß
      Jan

  5. Nebenher meine ehrliche Meinung: von den genannten Kameras würde ich einzig die D700 kaufen. Und die wär dann kein Ersatzbody, sondern Hauptarbeitsgerät.

    Einmal Vollformat in der Hand gehabt war für mich jede Crop nur noch mässiger Ersatz. Und das ging nicht nur mir so, grad gestern schnackte ich mit einer Hobby-Fotografin, die auch die D300s hat, und die beim Praktikum jetzt mal mit Vollformat gearbeitet hat, und für die jetzt ihre D300s auch nur noch Spielzeug ist.

    Ich würde mich jedenfalls nicht wieder von der D700 trennen. Und wenn der Nachfolger kommt, werde ich mir den auch holen und die D700 wird Ersatz (endlich auch der in FX).

  6. Hi Jan!

    Ich kann Dir nur die D700 wärmestens empfehlen. Die Kamera ist eine perfekte Ergänzung zu Deiner D300s. Leider besteht die Gefahr, dass die D300s danach kaum noch zum Einsatz kommt (ich spreche aus Erfahrung, meine S5 steht leider auf dem Abstellgleis). Ein altes Eisen ist die D700 definitv noch nicht. So manche aktuelle Canon würde sich über das Rauschverhalten und AF-System erfreuen.