Das tote Pferd

Kennt Ihr eigentlich das uralte, indianische Sprichwort Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab? Klingt doch zunächst ganz lustig doch wenn man sich diesen Satz noch einmal langsam und genüsslich auf der Zunge zergehen lässt so wird man dabei ziemlich schnell feststellen, dass sich dahinter eine tiefgründige Aussage verbirgt, die keineswegs so trivial ist wie sie zunächst erscheint.

Wie oft wirkt man nicht in der eigenen Firma an teuren und zeitaufwändigen Projekten mit obwohl eigentlich von vorneherein jedem Mitarbeiter bei genauerem Betrachten der Lage klar ist, dass das Vorhaben aus technischen, finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht bis zum Schluss realisierbar und/oder schon längst vor die Wand gefahren ist. Dennoch wird beharrlich daran festgehalten, das Pferd ist schon lange tot, aber es wird weiterhin versucht darauf zu reiten. Dabei gibt es immer neue Ansätze und Argumente, nicht von dem toten Pferd abzusteigen und auf ein anderes, lebendiges Pferd aufzusatteln:

Wir besorgen eine stärkere Peitsche
Wir wechseln den Reiter
Wir erklären: „So haben wir das Pferd doch immer geritten“
Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren
Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet
Wir erhöhen die Qualitätsstandards für das Ressort Reiten auf toten Pferden
Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wieder zu beleben
Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen
Wir stellen Vergleiche unterschiedlich toter Pferde an
Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist
Wir kaufen Leute von außerhalb ein, um das tote Pferd zu reiten
Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie schneller werden
Wir führen Leistungsanreize für das tote Pferd ein
Wir machen zusätzliche Mittel locker, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen
Wir lassen eine Studie anfertigen, ob es billigere tote Pferde gibt
Wir erklären, dass unser Pferd besser, schneller und billiger ist als andere tote Pferde
Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden
Wir überarbeiten die Leistungsbedingungen für tote Pferde
Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein
Wir versuchen die Kommunikation zwischen Reiter und totem Pferd zu optimieren
Wir stellen Berater ein um das Reiten toter Pferde zu optimieren
Wir erhöhen die Qualitätsstandards für das Reiten toter Pferde
Wir verringern das Renteneintrittsalter für tote Pferde
Wir melden das Pferd bei einem Weiterbildungskursus zur Selbstmotivation an
Wir bezahlen einen Tierarzt, der das Innere des Pferdes umorganisiert
Wir erstellen PowerPointFolien und präsentieren, was das tote Pferd noch kann
Wir bilden eine neue Abteilung und integrieren dort alle toten Pferde
Wir wechseln den Pferdelieferanten
Wir wechseln den Futterlieferanten
Wir bauen einen größeren Stall
Wir suchen einen finanzstarken Partner und bilden ein Joint Venture
Wir bringen die toten Pferde unter einem phantasievollen Namen an die Börse
Wir tauschen das tote Pferd gegen ein anderes totes Pferd aus
Wir nennen das tote Pferd „Dead Horse Power“ und bieten es als Produkt an
Wir lassen das tote Pferd 48 Stunden ausruhen und probieren es dann erneut

Sicherlich kennt Ihr diese Situation nicht nur aus Eurem beruflichen Umfeld sondern auch von privaten Projekten her. Oft kommt man nach längerer Projektzeit an den Punkt, wo man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und daher nur schwer erkennen kann, ob ein Projekt bereits festgefahren ist oder ob es sich noch lohnt, weiterhin daran festzuhalten und das Vorhaben erfolgreich zu einem Abschluss zu bringen. Es ist daher unheimlich wichtig, sein Projekt immer wieder kritisch zu analysieren und zu bewerten. Schlimmstenfalls muss man sich eingestehen, dass das Projekt gescheitert ist, dann hilft nur noch Absteigen! So ein vorzeitiger Ausstieg aus einem Vorhaben, was bereits Zeit und Geld verschlungen hat ist sicherlich frustrierend, bewahrt einen aber vor weiteren finanziellen und zeitlichen Investitionen und am Ende vor noch größerer Frustration. Schadensbegrenzung! Besser ist es in einem solchen Fall das tote Pferd zu begraben und auf ein anderes, frisches und kräftiges Pferd aufzusteigen und eine andere Route zu reiten.



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

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