Blick, Vorstellungskraft und Umsetzung

Wie mache ich gute Fotos? Was macht eigentlich ein gutes Foto aus? Ich glaube, diese Fragen wurden schon so oft gestellt und tausendfach in verschiedenen Büchern, Foren und in Foto-Blogs beantwortet und diskutiert. Diesen ganzen Wust an Gestaltungsregeln, Goldener Schnitt, Fibonacci & CO möchte ich daher auch nicht noch einmal aufwärmen und nachkauen. Vielmehr schoss mir neulich unter der Dusche ein kleines, sehr vereinfachtes Regelwerk durch den Kopf, womit man das Thema simpel und prägnant auf den Punkt bringen kann. Demnach sind genau drei Kernfähigkeiten verantwortlich, um die Qualität der eigenen Fotos zu steigern: Der kreative Blick, gute Vorstellungskraft und die technische Umsetzung. Betrachten wir diese drei Punkte etwas genauer, so dürfte das Prinzip auch ziemlich schnell klar werden:

Der kreative Blick ermöglicht es mir Motive und Objekte, Geschichten und Situationen zu entdecken und ‚richtig’ zu sehen. Nur wenn ich einen kreativen und geschulten Blick entwickelt habe kann ich die Welt wie ein Scanner abtasten und blitzschnell entscheiden, wo es sinnvoll ist, die Kamera in Anschlag zu bringen und wo eher nicht. Es mag Leute geben, die diesen kreativen Blick bereits mit der Muttermilch in sich aufgesogen haben und nie einen Gedanken daran verschwendet geschweige denn ihn geschult haben.

Die Mehrheit besitzt diesen Fotoblick allerdings nicht von Geburt an, was aber kein Handycap ist denn man kann ihn erlernen und schulen. Man muss einfach nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Wenn man sich erst einmal eine Zeit lang mit der Fotografie beschäftigt und jedes seiner Bilder anschließend kritisch analysiert hat oder noch besser von anderen hat analysieren lassen wird man doch recht zügig Fortschritte erkennen. Natürlich sollte man sich auch einmal mit entsprechender Fachliteratur beschäftigen und die grundlegenden Gestaltungsregeln gelesen und verstanden haben alles Weitere ist anschließend aber reine Übungssache. Am besten kann man seinen kreativen Blick im Bereich der Natur- und Landschaftsfotografie sowie der Architekturfotografie schulen, denn hier arbeitet man mit relativ statischen Objekten. Andersherum eignet sich die Sport- oder Konzertfotografie nicht besonders für den Einstieg, da man es in diesen Bereichen mit eher schwierigen Lichtsituationen und schnellen Bewegungen der Objekte zu tun hat. Hier vielleicht noch ein kleiner Tipp, für den Fall, dass Ihr am Anfang überhaupt keine Idee habt, wie Ihr loslegen sollt: Überlegt Euch einfach ein Thema, das Ihr bearbeiten könnt. Ein Thema könnte beispielsweise lauten ‚Fotografiere den Sommer’ oder unterteile Deine Photowalks in verschiedene Farben, am ersten Tag ist die Farbe Blau an der Reihe, am zweiten Tag die Farbe Rot und so weiter. Ihr könnt auch in eine Großstadt fahren und Schilder, Zeichen und Buchstaben fotografieren, lasst einfach Eure Fotos eine Geschichte erzählen. Die Möglichkeiten sind hier schier unendlich …

Zurück zu den Regeln, ich habe nun ein Motiv aufgespürt, wie geht es weiter? Mit Hilfe meiner Vorstellungskraft und Phantasie kann ich das Bild, das mein kreativer Blick aussortiert und für gut befunden hat gedanklich zu einem Foto zusammenzubauen. Ich muss also in der Lage sein, mir vorzustellen, wie mein Foto am Ende aussehen soll. Dabei fließen dann auch schon erste Details hinsichtlich des Formats und der Perspektive mit ein. Wähle ich das Querformat oder ist hier ein Hochformat sinnvoller? Fotografiere ich aus der Froschperspektive oder doch besser von oben. Welchen Standpunkt sollte ich wählen und so weiter. All diese Szenarien gehe ich gedanklich durch. Stück für Stück nimmt mein virtuelles Foto Gestalt an sodass ich zum dritten und letzten Punkt in der Abfolge übergehen kann, die technische Umsetzung.

Die technische Umsetzung soll am Ende dafür sorgen, dass das Bild, dass ich unter Punkt eins ausgewählt und in Punkt zwei gedanklich entwickelt habe auch genau so von meiner Kamera aufgenommen wird, wenn ich den Auslöser drücke. Punkt drei setzt also die technische Beherrschung meiner Kamera nebst Ausrüstung voraus. Hier laufen jetzt alle Fäden zusammen. Ich weiß aus Punkt eins und zwei, wie mein Bild am Ende aussehen soll und ich weiß, da ich mein Werkzeug kenne und beherrsche, welches Objektiv ich aus dem Koffer nehmen muss, welche Blende und Belichtungszeit eingestellt werden müssen und wie ich Standpunkt, Blickwinkel etc. wählen muss, um das gewünschte Resultat zu erhalten. Alles kein Hexenwerk und alles mehr oder weniger autodidaktisch erlernbar. Natürlich macht das alleine noch keinen Starfotografen aus Euch aber es hilft sicherlich mehr Freude an einem wundervollen Hobby zu haben und etwas bewusster mit der Kamera zu arbeiten, weg vom Knipsen, hin zum Fotografieren!



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

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