Gutes Foto – schlechtes Foto

Wie jedes Jahr zum Jahreswechsel schossen wieder unzählige Blog Posts mit dem Titel Foto des Jahres oder Mein bestes Foto wie Pilze aus dem Boden. Jeder machte Inventur in seiner persönlichen Fotoschatulle, es wurde präsentiert und abgestimmt, ich habe mich auch gerne daran beteiligt. Beim Durchstöbern meiner Fotos kam mir dann die Idee: Warum nicht auch einfach mal seine schlechteren Fotos zeigen? Fotos, die technisch einfach nicht ganz so gut  geraten sind, unscharf, übertrieben nachbearbeitet oder das Motiv völlig daneben liegt. Voilà – hier ist meine Auswahl. Diese Fotos sind im Jahr 2008 im niederländischen Egmond aan Zee entstanden, damals war ich noch mit der Nikon D70s unterwegs. Ich fand die Fotos so schlecht, dass ich sie mittlerweile fast schon wieder richtig gut finde, sodass sie dieses Thema eigentlich knapp verfehlen. 

Und genau das ist der Grund warum ich die Fotos dennoch hier zeigen möchte, sie haben einfach ihren eigenen Stil & Charme was vielleicht auch ein wenig an der Erinnerung des Erlebten liegen könnte. Was ich damit sagen und zeigen möchte ist, und hier wendet sich das Blatt jetzt, dass selbst technisch schlecht gemachte Fotos immer eine gewisse Schönheit und einen gewissen ideellen Wert besitzen, zu schade um sie achtlos weg zu werfen oder zu löschen. Man muss sich einfach nur trauen damit vor die Tür zu gehen.

So bin ich beispielsweise kürzlich einer Facebook-Gruppe beigetreten, die den Namen einer längst nicht mehr existierenden Musik-Kneipe trägt, in der ich damals quasi meine ganze Jugend verbracht habe, in der ich zum ersten Mal mit meiner Band live vor einem größeren Publikum gespielt und in die ich fast mein gesamtes Taschengeld getragen habe. Meine ersten Schritte als Tontechniker habe ich auch in eben dieser Kneipe unternommen. Und in genau dieser Facebook-Gruppe hatten sich über zweihundert weitere ehemalige Gäste versammelt, die sich ebenfalls gerne an die guten alten Zeiten der 80er Jahre zurück erinnerten. Und was hat das mit dem Thema der guten und schlechten Fotos zu tun?

Ganz einfach – natürlich wurden in dieser Gruppe auch Fotos von jener Zeit ausgetauscht, wirklich schreckliche Fotos, verwackelt, blass und unscharf. Fotos auf denen die Protagonisten alle samt in typischem 80er Jahre Style rum liefen, furchtbare Klamotten, Frisuren zum weglaufen … ihr macht Euch kein Bild. Das Faszinierende daran ist aber nun, dass es damals noch keine Digitalkameras gab, mit denen man mal eben, so wie es heute üblich ist, ein paar Schnappschüsse hätte machen können. Das waren quasi alles Originale, also analoge Raritäten, mit wahrscheinlich billigen Kompaktknipsen erstellte Fotos, für ein paar Mark beim Fotohändler umme Ecke entwickelt und zig Jahre später mit dem heimischen Scanner digitalisiert, technisch gesehen die letzten Krücken aber, und das ist der Punkt, für all die, die die Zeit damals miterlebt haben, wichtige Zeitzeugen. Fotos, die nicht nur künstlich auf Retro getrimmt wurden sondern  Retro pur! Diese Fotos sind technisch gesehen vielleicht schlecht aber sie erwecken die alten Zeiten wieder zu neuem Leben! Und sie werden es weiterhin tun, auch wenn sie für Aussenstehende vielleicht nicht besonders schön, objektiv betrachtet und aus technischen Gesichtspunkten nicht pefekt sind.



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

9 Kommentare

  1. …da kann ich mithalten.
    Aber die heiligen Tulpenfelder sind super! Als wir da noch gewohnt haben, haben wir mal einen Ausflug gemacht. Es war unglaublich geil. Egal wie die Bilder geworden sind:-)

    …dann mache ich auch mal ne Galerie:-)

    • Das wäre doch mal ne lustige Aktion, wenn jeder seine schlechtesten Bilder zeigt *lol* Ich find’s dennoch schön alte Fotos durch zu stöbern, so sieht man wenigstens, ob man Fortschritte gemacht hat und was dazu gelernt hat …

      • Ja, vielleicht schliesst sich ja noch jemand an:-)
        Ich suche gerade, wird aber wahrscheinlich heute nicht fertig…

        Stimmt, je älter die Bilder, desto mehr kann man schmunzeln:-)

      • gute idee. die notier ich mir mal für eins meiner nächsten blogprojekte. 🙂

        und ja, in alten fotos stöbern zeigt einem wirklich, was man so dazu gelernt hat, wenn man denn… 😀

  2. Pingback: Gutes Foto – schlechtes Foto

  3. Ich finde die Bilder aber eigentlich nicht so schlecht, man hätte vielleicht mit dem weißabgleich bei den ersten Fotos etwas herum experimentieren können um noch mehr raus zu holen.

    Wahrscheinlich ist das auch nur die starke Selbstkritik die jeder einer mit sich herum trägt.

    Aber solche Fotos habe ich mit Sicherheit auch noch irgendwo im Archiv 😉

  4. Es geht mir auch weniger darum einfach nur schlechte Fotos zu präsentieren, dazu bräuchte ich nur mal eben die Kamera auf etwas x beliebiges zu richten, falsch fokussieren und belichten und abzudrücken – fertig. Darum geht es mir aber nicht. Mir geht es viel mehr darum, Fotos aus dem eigenen Bestand zu finden, zu denen man a) einen sehr persönlichen Bezug aufgrund von schönen oder weniger schönen Erinnerungen hat und b) die zwar technisch oder gestalterisch nicht zu 100% sauber sind aber dennoch einen gewissen Charme versprühen und die wenn nicht der Allgemeinheit zumindest einem selbst doch irgendwie ganz gut gefallen. Ist vielleicht ein schwieriges Thema aber so war es gemeint 😉 Beispiel: Ein paar Fotos meiner Serie in diesem Posting sind am Strand durch eine Glaswand hindurch fotografiert, man sieht leider die Spiegelungen, was aus technischer Sicht ein No-Go ist. Dennoch haben diese Strandfotos auch etwas sehr Schönes, sie vermitteln das Gefühl von Strand, Sommer, Sonne, Urlaub … vielleicht versteht Ihr jetzt was ich meine?

    Lg
    Jan

  5. Egmond. Kam mir gleich so bekannt vor.
    Besonders die Bilder mit den Spiegelungen gefallen mir außergewöhnlich gut obwohl das ja gemeinhin als misslungen gilt.
    Hängt wahrscheinlich auch mit der angewandten Teiltonung(?) zusammen. Auf sowas steh ich ja. (-:

  6. Gute Idee!
    Wenn ich mit meinen 395.000 Schottland Bildern fertig bin, suche ich auch mal Bilder raus, die nicht so ganz der Hit sind, aber trotzdem einen Hintergrund haben. Mal schauen, was ich da finden werde..

    Und mir gefallen übrigens auch die Bilder mit den Spiegelungen sehr gut! Ich hab auch so ein ähnliches Bild in Cuxhaven gemacht und mochte es auch. Auch wenn es nicht dem Geschmack der breiten Masse enstpricht.