Frau Holle rockt

Der Verkehr in NRW und in weiten Teilen Deutschlands ruht! Sturmtief Petra hin oder her, letztendlich gehören immer noch zwei dazu, das böse Wetter auf der einen und der dusselige Autofahrer auf der anderen Seite. Mir hat ja eigentlich schon die Horrorfahrt am Dienstagabend gereicht, vom Büro in Ratingen zurück in meine Heimat im westfälischen Rhede.

Daheim hatte der Himmel bereits den ganzen Tag lang seine weiße Pracht abgeworfen und in den rheinischen Gefilden fing es am späten Nachmittag an zu schneien. So, da war Petrus pünktlich zur Heimfahrt fertig mit seinem Werk und zwar so pünktlich, dass die Räumdienste gar nicht erst die Chance hatten, Ihre Schaufel anzusetzen. Ja, Petrus konnte auch wirklich Stolz auf sich sein, er hatte ganze Arbeit geleistet!

Uns Autofahrer traf Petrus’ Laune wie ein Fausthieb auch wenn viele der Daily-Penlder das gesamte winterliche Ausmaß zunächst noch nicht so richtig wahrhaben wollten als sie mit 120, 140 und mehr Km/h hooverkraftmäßig auf der spiegelglatten Fahrbahn an mir vorbei schwebten. ‚Ihr werdet auch noch zahm‘ denk ich mir, gemütlich auf der ganz rechten Spur vor mich hin zuckelnd.

‚Vielleicht seh ich den einen oder anderen von Euch ja später noch wieder‘. Naja, was soll ich sagen, einen sah ich wieder, kurz vor der Abfahrt Hamminkeln, als sich bei mir schon so langsam das boah-ey-bald-geschafft-Feeling einstellte, sah ich aus der Ferne das dezent leuchtende Blaulicht der grün-weißen Rennleitung, die die Unfallstelle des Porsche sicherte, der sich nach einer 180°-Drehung seitlich unter die Leitplanke geschoben hatte.

So wie es aussah aber nur Blechschaden, schade um das teure Spielzeug, was man für das Geld alles hätte kaufen können … Am Tag darauf hatte sich die Lage erst einmal wieder ein wenig entspannt, richtig so Petrus, man muss auch mal jönne könne! Aber am Donnerstag setzte er dann noch mal zur Höchstform an und schickte Sturmtief Petra. So, wird er sich wohl gedacht haben, ihr wollt Winter, hier habt ihr Winter! Während es zu Hause im westlichen Münsterland nur leicht flockte konnte man im Rheinland Zeuge werden, wie Frau Holle den ganzen Tag lang rockte!

Die Webseiten des DWD waren den ganzen Tag über wegen Überlastung zusammengebrochen, kein Wunder. Und entsprechend sah dann auch die Heimfahrt aus. Stellt sie Euch vor wie die anfangs beschriebene Tour vom Dienstagabend allerdings quadriert und multipliziert mit dem Schneefaktor Zwei. Und auch an diesem Tag wurde wieder einmal klar, den Verkehrsmeldungen kann und sollte man nicht vertrauen. Es waren insgesamt mehr als 40 Km Stau auf der A3 in Richtung Norden angesagt und neugierig wie ich bin wollte ich mir diese 40 Km ansehen aber egal wo und wie gründlich ich auch suchte, ich konnte nicht einmal 4cm Stau entdecken, die Bahn war frei, fast schon so gespenstisch, dass ich streckenweise überlegte, ob ich auch die richtige Autobahnauffahrt erwischt habe.

Voll hingegen war die A3 auf der Gegenfahrbahn, das dürften sogar mehr als 40 Km gewesen sein. Gute Nacht an all die, die bis tief in die Nacht oder laut Nachrichtensendungen sogar bis zum nächsten Morgen dort ausharrten. Aber das Lied ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende, es wartete schließlich noch ein weiterer Bürotag vor dem lang ersehnten Wochenende auf mich. Und auch hier geht die Strophe wieder so: Traue bloß nicht dem Verkehrsfunk auch dann nicht, wenn die Meldungen von einer noch so freundlichen Stimme aufgesagt werden. Die gestern geschummelten 40 Km warteten nämlich heute morgen auf mich, die gesamte A3 vom Kreuz Oberhausen bis gefühlt kurz vor Köln war eine einzige Blechlawine aus Lkw, Berufspendlern, unzähligen holländischen Winterurlaubern (danke an dieser Stelle über die Grenze, dass Ihr nicht bis NACH dem Berufsverkehr warten konntet um Eure mit Sommerreifen ausgestatteten Gespanne in Richtung Sauerland zu schieben) und mitten drin stand ich, ja ich stand die meiste Zeit.

Meiste Zeit kann ich hier übrigens mit dreieinhalb Stunden genauer definieren. In dieser Zeit hätte ich normalerweise kurz vor München sein können. Aber nun gut, so hatte ich auch mal ein wenig Zeit und Muße, um auch einmal vor dem Büroalltag meine Kamera zur Hand zu nehmen und ein paar winterliche Stauimpressionen einzufangen. Zugegeben, die Leute waren stellenweise ein wenig verwirrt, als ich im Cockpit wild mit meiner Kamera rumwirbelte. Wahrscheinlich haben sie gedacht Google Street View Reloaded sei unterwegs. Ein besonderer Gruß geht an dieser Stelle auch an die Dame aus dem dunklen Alfa mit dem Wuppertaler Kennzeichen.

Bei einigen Bildern schimmert übrigens so ein seltsamer, blauer Rand im oberen Teil, das ist keine Vignettierung meines Objektivs sondern die Tönung meiner Windschutzscheibe. Eignet sich wirklich prima als Polfilter! Jetzt bleibt es auch noch spannend, wie die letzte Heimfahrt für diese Woche aussehen wird … der Tank ist jedenfalls voll, die Winterreifen laufen ganz ordentlich und mit dem 185 PS Allrad und Wintertaste habe ich genügen Vorschub…

Und was lernen wir nun daraus? Egal ob Ihr zu schnell durch den Schnee fliegt oder zu langsam durch den Matsch kriecht, ich habe meine Ideallinie gefunden. Tut mir aber bitte den Gefallen und haltet genug Abstand und versucht nicht ständig in meinem Kofferraum mitzufahren, auch wenn dieser mit verführerischer Größe förmlich dazu einlädt. Ach und wenn Ihr Euch morgens im Frühnebel wundert, dass ständig andere Leute mit der Lichthupe aufblinken, dann liegt das wahrscheinlich nicht daran, dass Ihr plötzlich über Nacht berühmt geworden seid und Euch jeder grüßt sondern es will vielmehr heissen, dass Ihr endlich, verdammt noch mal Eure Beleuchtung einschalten sollt!



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

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