Fotos sind Musik

Jetzt wird’s philosophisch, Fotos sind Musik und umgekehrt!? Aha, interessante Aussage aber wie komme ich darauf? Ganz einfach: Wie Ihr vielleicht wisst, bin ich nicht nur als Photo Freak unterwegs sondern auch als Musik-Freak, Tontechniker und DJ. Dabei stoße ich immer wieder auf erstaunliche Parallelen. Wenn ich mich mit meinen Kollegen von Stony Broke auf einen Live-Job vorbereite, unsere P.A. sowie das restliche Equipment gewuchtet und verkabelt ist geht es zumeist an die Mikrofonierung der einzelnen Instrumente. Dazu überlege ich mir zunächst, welches Mikrofon beispielsweise den Klang der Snare am besten übertragen könnte, welchen Abstand das Mikrofon vom Anschlagfell der Basstrommel haben sollte, ob wir die Gitarre in Stereo oder Mono abnehmen und wie wir die Overhead-Mikrofone am besten ausrichten. Alle Überlegungen dienen dem gleichen Zweck, die Signale der verschiedenen Instrumente so natürlich wie möglich einzufangen, zu verstärken und anschließend über den Mixer zusammengemischt über das P.A.-System wiederzugeben um einen natürliches und ausgewogenes Klangbild zu erhalten. Damit das so funktioniert muss ich schon im Vorfeld eine genaue Vorstellung haben, wie die Musik der Band am Ende klingen soll. Und hier kommt auch schon die erste Parallele zur Fotografie. Ähnlich wie bei der Band, die ich abmische habe ich auch bei der Fotografie bereits vorab eine ziemlich genaue Vorstellung, wie mein Bild am Ende aussehen soll. Und auch hier muss ich vorher ein paar Überlegungen anstellen: Welches Objektiv nehme ich am besten, wie groß soll der Abstand zum Motiv sein, welchen Blickwinkel wähle ich, wie richte ich die Kamera bzw. das Stativ entsprechend aus. In der Fotografie möchte ich ein Bild möglichst naturgetreu einfangen, in der Tontechnik die Musik, bei beiden Techniken habe ich eine genaue Vorstellung und einen direkten Einfluss auf das Endergebnis. Doch es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten: Die Mikrofone wandeln die verschiedenen akustischen Signale der einzelnen Instrumente in elektrische Signale um. Über ein Multicore gelangen diese dann zum Mischpult, wo sie zunächst vorverstärkt werden. Warum das? Nicht jedes Signal hat den gleichen, optimalen Pegel. Es gibt sehr leise Signale und sehr laute. Die einen müssen verstärkt, die anderen abgesenkt werden. Ein zu leises Signal neigt zum Rauschen, ein zu lautes zu Verzerrungen. Um den Pegel entsprechend einzustellen benutze ich den Gain-Regler des Mixers (bzw. später auch den Kanalregler und am Ende den Summenregler). Ähnlich ist es in der Fotografie. Um ein Bild zu erhalten muss ich den Film (analog) bzw. den Sensor (digital) belichten. Die entscheidenden Parameter sind hier die Blende und die Belichtungszeit. Belichte ich zu lange oder reiße ich die Blende zu weit auf (Pegel zu laut) ist das Bild zu hell und überbelichtet, belichte ich zu kurz, ist das Bild zu dunkel (Pegel zu leise) und das Rauschen des Sensors wird sichtbar (zumindest bei zu hohen ISO-Werten bzw. bei billigen Kameras).

Am Ende, wenn alle Signale mit passendem Pegel am Mischpult anliegen kann ich den eigentlichen Sound machen. Dazu ziehe ich die Kanalregler so weit auf, bis alle Instrumente gut zu hören sind und der Sound ausgewogen ist. Mit dem Equalizer in jedem Kanal regle ich den Klang der einzelnen Instrumente, gebe Höhen hinzu, senke Tiefen ab. Mit dem Kompressor beschneide ich Signale in ihrer Dynamik und mit den Noisegates entscheide ich, wie laut ein Signal sein muss, bis es durchgelassen wird. Am Ende gebe ich noch Reverb- und Delayeffekte auf einzelne Spuren um ihnen Räumlichkeit zu verleihen. Fertig. OK, ein bisschen komplizierter ist es schon, auch ist die Reihenfolge üblicherweise eine andere aber es geht auch nicht darum einen Tontechniker-Lehrgang zu erstellen, darüber habe ich in einem anderen Posting geschrieben, vielmehr geht es um das Grundprinzip. Denn auch hier kann ich wieder direkte Parallelen zur Fotografie aufzeigen. Während der eigentliche Sound am Mischpult entsteht, gestalte ich das Foto mit der Bildverarbeitungssoftware am Rechner. Hier werden die finalen Feinarbeiten durchgeführt, ich kann das Bild beschneiden, Rauschen entfernen, nachschärfen und so weiter. Ähnlich wie bei der Arbeit am Mischpult habe ich es in der Bildverarbeitung mit einzelnen (Farb-) Kanälen zu tun, auch hier arbeite ich mit Dynamik, Helligkeit und Kontrast.

 

Die Endergebnisse, ein fetter Live-Sound, eine nach meinen Vorstellungen klingende CD oder ein gerahmtes Foto oder Poster haben letztendlich auch Gemeinsamkeiten: Ein Foto gibt eine Situation wieder, eine Stimmung, Farben, Licht und Schatten, ein Musik transportiert ebenfalls Stimmungen, enthält helle und dunkle Passagen, ist dynamisch mal sehr laut und mal sehr leise. Beides ist Kunst und erfordert ein hohes Maß an Kreativität.



Das könnte Dich auch interessieren:

Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

1 Kommentar

  1. Kann ich so unterschreiben. Folgende Anmerkung vielleicht noch: In der Tontechnik wie in der Fotografie zählt“ Ein Mischpult/Bildbearbeitungsprogramm ist kein Klärwerk. Schlechter/s Song/Foto bleibt auch nach Bearbeitung schlecht.