The Reason for Reason

Heute möchte ich ausnahmsweise mal keine Bildbearbeitungssoftware sondern eine Musik-Software vorstellen. Es geht um das Musikproduktionstool Reason 4 von Propellerhead. Mit Reason 4 hat die schwedische Musik-Softwareschmiede ein gewaltiges Tool für die Musikproduktion geschaffen. Für nahezu jeden Musikstil bietet Reason das richtige Werkzeug. Die Bedienung ist intuitiv und die wichtigsten Arbeitsschritte schnell erlernt. Der gesamte Aufbau der virtuellen Studioumgebung ist einem 19?-Studio-Rack nachempfunden: Auf der Vorderseite werden die einzelnen Geräte eingeschraubt während auf der Rückseite die Verdrahtung vorgenommen wird. Nach dem ersten Öffnen des Programms findet der Musiker zunächst ein leeres Rack vor. Und nun? Sinnvollerweise startet man seine Produktion in dem man seinen Arbeitsplatz so gestaltet, wie man es von seiner Arbeit im “realen” Tonstudio auch gewohnt ist. Dazu “schraube” ich mir zunächst die wichtigsten Geräte in meinen 192-Schrank: Die zentrale Einheit im virtuellen Reason-Studio sollte also das Mischpult sein.

Das Standard-Mischpult bietet 14 Eingangkanäle, 4 AUX-Wege (Pre und Post schaltbar) sowie einen zuschaltbaren 2 Wege Equalizer. Zugegeben, 4 fach vollparametrische Klangregelung wäre hier wünschenswert aber das auch nur auf den ersten Blick. Weiter unten wird man ziemlich schnell sehen, dass man zur Klangbeeinflussung nicht ausschließlich auf das Mischpult alleine festgelegt ist. Zusätzlich besitzt jeder Kanal eine Mute- und eine Solo-Funktion sowie einen Pan-Regler. Dreht man sein virtuelles Studio-Rack per Tab-Taste um, bekommt man die Möglichkeit selbst alle Strippen zu ziehen.

Bei größeren Musikproduktionen stößt man mit 14 Kanälen sehr schnell an die Grenzen aber keine Panik, das Ende des Machbaren ist hier noch lange nicht erreicht. Entweder kaskadiert man so viele 14-Channel-Mixer wie nötig und erreicht so ein Vielfaches von 14 Eingangskanälen oder man bedient sich einfach eines zusätzlichen Line-Mixers:

Mit dem Line-Mixer haben die schwedischen Entwickler einen kleinen Submixer geschaffen, der pro Kanal außer einem Regler für Lautstärke und Pan nur noch einen AUX-Weg sowie die Solo- und Mute-Taste bietet. Der Masterregler hilft beim Einpegeln im Verbund mit einem Master-Mixer. So kann man diesen Mixer beispielsweise als Sub-Mischpult für die Drums hernehmen.

Sobald das Mischpult “montiert” ist suche ich mir eine Hand voll Effekte zusammen. Da mein Pult 4 AUX-Wege bietet, packe ich mir erst mal 4 Effektgeräte ins Rack. Da die Effekte im 1/2 19?-Format vorliegen, passen immer 2 Geräte nebeneinander in den Studio-Schrank. Ich kann bei Reason 4.0 unter den folgenden Effektgeräten auswählen.

Zur Wahl stehen der RV-7, ein Digital Reverb sowie der DDL-1, ein Digital Delay Line, jeweils mit verschiedenen Presets und einstellbaren Parametern. Zudem lassen sich die Delay-Zeiten exakt mit dem Songtempo synchronisieren.

Als nächstes finden wir den UN-16, welcher die durchgeschleiften Töne zunächst auseinander nimmt und anschließend leicht zueinander verstimmt wieder zu einem Sound zusammenfügt. Man erhält dadurch einen fetten, chorusartigen Effekt, bei dem sich die Stimmen über das gesamte Stereofeld verteilen lassen. Rechts neben dem UN-16 finden wir den COMP-01, ein klassischer Kompressor.

Ein Stockwerk tiefer entdecken wir einen Chorus / Flanger und einen Phaser-Effekt. Auch diese beiden Effektgeräte lassen sich zum Songtempo synchronisieren und bieten unzählige Parameter zur Klangbeeinflussung.

Als nächstes finden wir den D-11, einen Verzerrer und den ECF-42, einen Controlled Filter vor. Mit dem Verzerrer lassen sich beispielsweise schmutzige und kreischende Bass- und Lead-Sounds erzeugen. Der ECF-42 kann entweder als statischer Filter betrieben werden oder von einem anderen Gerät kontrolliert bzw. synchronisiert werden.

Weiter oben habe ich kurz die magere 2-fach Klangregelung des 14:2 Mixers kritisiert aber auch gleich dazu gesagt, dass es noch weitere Möglichkeiten der Klangmanipulation geben wird. Dazu können wir den PEQ-2 nehmen, ein 2 Band parametrischer Equalizer. Mit ihm lassen sich Sounds um ein Vielfaches genauer tunen. Dazu kann man die Frequenz, den Q-Faktor und den Gain justieren. Daneben haben wir noch den Spider Audio, eigentlich kein klassisches Effektgerät sondern eine Art Audio-Merger. Mit diesem Gerät lassen sich einem Ausgangskanal bis zu vier Eingangskanäle zuordnen udn umgekehrt einem Eingangskanal bis zu vier Ausgangskanäle.

Zum Schluss gibt es noch den Spider CV, auch eine Art Merger-Splitter. Der Spider CV bietet die gleichen Möglichkeiten wie der Spider Audio eben nur auf Steuerspannungs-Ebene (Steuerspannung = CV). Mit dem RV7000 steht am Ende noch ein besonders vielseitiges und hochwertiges Reverb- und Delay-Modul zu Verfügung

So, nun habe ich die Qual der Wahl. Welche dieser Effekte baue ich in mein Rack ein? Ich entscheide mich zu Beginn eines neuen Projektes meistens für ein bis zwei Reverbs und sowie die gleiche Anzahl an Delays. Damit habe ich alle 4 AUX-Wege belegt und kann mit meinem eigentlichen Projekt beginnen. Weitere Effekte wie Filter, Verzerrer, Chorus, Flanger etc. schleife ich meistens später direkt in zwischen dem jeweiligen Instrument und dem Mixer ein.

Wie geht es jetzt weiter? Als nächstes brauche ich einen Klangerzeuger. Dazu bietet Reason 4 alles was das Herz begehrt: Ich fange einfach mal ganz oben an. Da finden wir die Neueste Entwicklung der Schweden, den Thor:

Thor ist ein semi-modularer polyphonischer Synthesizer, der auf dem Design von mehreren auserwählten älteren Synthesizern basiert. Er verfügt über mehrere verschiedene Oszillator- und Filtertypen, die in seine Slots geladen werden können und so eine riesige Auswahl an Sounds erzeugen kann. Weiterhin besitzt der Thor einen breiten Modulationsbereich und einen eigenen Step-Sequenzer im analogen Stil, sodass auch komplexe Apreggios möglich sind. Wer bei dieser mächtigen Klangmaschine nicht fündig wird muss aber nicht gleich aufgeben sondern sollte sich einfach mal die anderen Geräte ansehen bzw. hören. Da gibt es beispielweise den Malström:

Der Malström ist ein polyphoner Synthesizer mit zwei Oszillatoren, zwei Modulatoren, zwei Filtern, einem so genannten Wave-Shaper und vielen Modulations- und Routing-Optionen. Er basiert auf dem Konzept der Graintable-Synthese und ermöglicht die Erzeugung von Sounds, die von klassischen Analog-Synthies bekannt sind. Ähnlich dem Malmström aber dennoch einzigartig dürfte der Subtractor sein.

Der Subtractor ist ein polyphoner Synthesizer, dessen Funktionsweise noch mehr (als der Malström) einem modernen Analog-Synthesizer ähnelt. Er verfügt über zwei Oszillatoren, zwei Filter, sowie eine ganze Reihe von Modulationsfunktionen und ermöglicht daher alles, von starken Bässen zu wirbelnden Pad- und kreischenden Leadsounds. Sollte man kein Freund dieser künstlichen und analogen Sounds sein kann Reason auch authentisch klingen. Dazu schraubt man einfach einen Sampler in sein Rack.

Der NN-19 ist ein digitaler Sampler, der Sounds im Wave-, AIFF, SoundFonts oder REX-Format laden kann. Zudem kann er Multi-Sample-Patches durch Zuordnen einzelner Samples zu Tastaturbereichen auf der Tastatur erzeugen. Filter, Hüllkurven und LFO machen den Umfang vollkommen. Sollte man mit diesen Funktionen nicht auskommen, so kann man auf den NN-XT zurückgreifen, quasi eine Weiterentwicklung des NN-19.

Neben der Möglichkeit, die auch der NN-19 bietet, Wave-, AIFF, SoundFonts oder REX-Formate abzuspielen, kann der NN-XT noch mehr: Zwei LFOs, zwei Hüllkurven und ein Filter. Der NN-XT ermöglicht außerdem das Erzeugen von sog. übereinander geschichteten Sounds, wobei sich zwei oder mehr Samples gleichzeitig abspielen lassen. Dies geschieht durch das Zuordnen von verschiedenen Samples zum gleichen Tastaturbereich. Als eine weitere nützliche Funktion verfügt der NN-XT über die Möglichkeit zum Einrichten von anschlagdynamisch gesteuerten Sample- und Tastaturzuordnungen. Immer noch nicht genug? Kein Problem, Reason hat auch noch mehr in Petto:

Der Loop-Player Dr.Rex kann Sound-Dateien im Rex-Format abspielen. Was ist das Rex-Format? Mit einem weiteren Tool von Propellerhead, ReCycle, lassen sich komplexe Wave-Files in mehrere so genannte Slices zerlegen und speichern. Der Dr.Rex Loop-Player kann genau diese Dateien lesen. So kann man beispielsweise eigene Loops erstellen, zerstückeln und über die gesamte Tastatur verteilen. Diese Loops können weiterhin mit LFO, Hüllkurve und Filtern bearbeitet werden. Ein wahres Highlight des Dr.Rex ist, dass er die Loops in verschiedenen Tempi abspielen kann, ohne, dass sich der Sound oder die Tonhöhe ändert. Seine Stärken liegen so unter anderem beim Abspielen von Drum-Loops.

Last but not least beinhaltet Reason 4.0 die Drum-Maschine Re-Drum, die ein wenig an den Vorläufer von Reason, Re-Birth erinnert. Reason’s ReDrum ist eine Sample-basierte Drum-Maschine mit zehn Kanälen, die Sounds im Wave,

AIFF, SoundFont (SF) oder Rex-Format einzeln für jeden Kanal hochladen, oder Patches als komplette Drumkits verwenden kann. Für jeden Tonkanal lassen sich die Tonhöhe, Pegel, Anschlagdynamik usw. separat regeln. 2 AUX-Wege stehen außerdem zur Verfügung. Weiterhin gibt es einen eingebauten Pattern-Sequenzer (komplett mit Shuffle- und Flamoption), mit dem sich klassische Drum-Muster (ähnlich wie bei Re-Birth) erzeugen lassen. Am Ende bietet Reason noch die Möglichkeit, mehrere Instrumente zu einem Combinator-Patch zusammen zu fassen.

Zum Schluß gibt es noch ein paar “Spezialisten”, die einem hier und da die Arbeit erleichtern bzw. für das i-Tüpfelchen im Track sorgen können. Da wäre zum Beispiel der Vocoder BV512.

Der Vocoder besitzt eine variable Anzahl von Filterbändern und einem 1024-Punkt FFT-Vocoding-Modus (entspricht einem 512-Band Vocoder). Durch die Verbinden des BV512 mit zwei weiteren Instrumenten kann man die verschiedensten Sounds erzeugen, von Vocoder-Sprache über Gesang oder Drums bis zu bizarren Spezialeffekten. Mit Hilfe des Scream 4 lassen sich (neben dem D-11) weitere ausgefallene Distortion-Effekte erzeugen.

Reason’s Matrix als Pattern-Sequenzer und der RPG-8 als monophonischer Apreggiator runden das Bild ab. Der Pattern-Sequenzer, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem alten analogen Sequenzer aufweist, kann zwischen 1 und 32 Schritte enthalten. Es kann für jeden Schritt ein Kontrollspannungswert festgelegt werden, der über die drei separaten CV-Ausgänge auf der Geräterückseite ausgegeben werden soll. So hat man praktisch drei unabhängige Pattern-Sequenzer in einem Gerät zur Verfügung.

Der Apreggiator erzeugt rhythmische Notenpatterns ausgehend von Noten oder Akkorden. Ähnlich wie bei Reason’s Matrix kann der RPG-8 Sounds eines angeschlossenen Gerätes abspielen oder verschiedene Parameter steuern. Der RPG-8 hat innovative Funktionen, wie zum Beispiel musikalisch logische Pattern-Variationen und einen Pattern-Editor für noch mehr rhythmische Variation.

Wenn man erst einmal einen Track mit Reason 4.0 fertiggestellt hat, kann man das Endergebnis komplett als Wave-File exportieren. Aber wie sieht es mit dem Mastering aus? Auch hier haben die Entwickler mitgedacht und die Mastering-Suite implementiert. Sie besteht aus mehreren Mastering-Effekten, die entweder als Ganzes oder je nach Bedarf auch einzeln ins Rack geladen werden können.

Die Mastering Suite besteht aus einem parametrischem Equalizer, einem Stereo-Imager, dem Compressor und einem Maximizer. So kann man seinem Track den letzten Schliff geben und ihn auch gleichzeitig auf CD-Pegel bringen. Voila! Und so kann ein Rack während der Arbeit mitten in einem Projekt in der Rückansicht aussehen:

Mein Fazit: Mit Reason bekommt man (für mittlerweile nur noch 299,- EUR) ein komplettes Musikproduktions-Studio auf Softwarebasis, einfach und intuitiv zu bedienen, in seinen Möglichkeiten unerschöpflich, durch undendlich viele Sound-Libraries auf CD und DVD absolut flexibel und expandierbar und vom Sound her vielseitig, zeitlos und high fidelisch – Mehr als ein Reason für Reason – Mein Tipp, einfach mal die kostenlose Demo-Version testen oder gleich die Vollversion kaufen!



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Hallo Webreisender, schön dass Du mich hier besuchst. Mein Name ist Jan Tervooren und ich bin der Photo Freak, Blogger und Fotograf aus Rhede bei Bocholt. In meinem persönlichen Foto-Blog schreibe ich, wie der Name bereits vermuten lässt, über meine größte Leidenschaft, die Fotografie. Meine Lieblingsfotos zeige ich auch in meiner Fotogalerie kuntabunta.

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